Mein Studium der Philosophie ermöglicht es mir, Situationen gedanklich zu verlassen und diese aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Was bremst, was hilft, wer sollte hinzugezogen werden, wie könnten alternative Wege aussehen? Dieser Perspektivwechsel gibt mir die Klarheit eines guten Überblicks. Der ist meines Erachtens unabdingbar, wenn wir Althergebrachtes in die Gegenwart implementieren wollen.
Dieser Geisteshaltung entspringt auch der Wunsch, Schüler: innen zu fordern. Auch hier spielt „Perspektivwechsel“ eine wichtige Rolle für mich. Versetze ich mich in die Welt unserer Jugendlichen, so erfahre ich in dem Überangebot an Informationen und Meinungen ein Gefühl von großer Orientierungslosigkeit. Da sind wir Pädagogen gleichzeitig als Anker und auch als Wegweiser gefragt! Die Schüler müssen ihre individuellen Wege selbst beschreiten; um dies zu können, ist es unsere Aufgabe, sie in Bewegung zu bringen und ihnen zu versichern, dass wir ihnen ver- und nahezu alles zutrauen. Sie müssen hinfallen dürfen und sollte dies passieren, so fangen wir sie auf und bestärken sie darin, es noch einmal und anders zu versuchen. Um hinfallen zu können und letztendlich genau daran zu wachsen, braucht es eine Fallhöhe. Ich selbst hatte das große Glück, von sehr guten, Maßstäbe einfordernden Lehrern geprägt worden zu sein und auch in meinem Berufsleben wiederholt auf Direktoren zu treffen, die mir vertraut und viel zugetraut haben. Das, gepaart mit dem tiefen Urvertrauen meiner Eltern in mich, hat mir die persönliche Erfahrung ermöglicht, das „zumuten“ keine Zumutung, sondern das ganze Gegenteil ist.
Der Lehrerberuf ist meine Passion. Ich empfinde es als Privileg, anderen Menschen ihren Horizont erweitern zu dürfen und ihnen in ihrem persönlichen Wachstum leitend zur Seite zu stehen. Dies inkludiert auch die Fort- und Weiterbildung von Lehrkräften. In meinen rund zehn Jahren als Fachbereichsleiterin von „Werte und Normen“ an meiner vorherigen Schule war es mir immer wichtig, meinen Kollegen Raum zu geben, in dem sie sich bestmöglich entwickeln konnten. Darüber hinaus war ich maßgeblich an einem Projekt des Kultusministeriums am NLQ (Nieders. Landesinstitut für schulische Qualitätsentwicklung) beteiligt, das „Werte und Normen“ als Grundschulfach einführen sollte. Das Entwickeln von Lehr- und Lernmaterialien, das Entwickeln und Schreiben des Curriculums, die Konzeption von Weiterbildungen – all dies hat mir große Freude bereitet. Im Zuge der Covid-Pandemie sowie der damit verbundenen Notwendigkeit, kurzfristig andere Programme in der Bildung zu initiieren, musste das Projekt in der Umsetzung leider angepasst werden. Aber auch für diese Herausforderung haben wir schlussendlich eine gute Lösung erarbeitet. Ich bin davon überzeugt, dass es immer einen Weg gibt.
Was begeistert und fasziniert mich so sehr am Lehren und Leben an einem Internat? Wir können über 08:00–16:00 Uhr hinaus Jugendliche in ihrer Adoleszenz begleiten. Meine Schüler wissen um meine vertrauenswürdige, verlässliche Art und können sich darauf verlassen, dass ich immer für sie da bin, wenn sie mich brauchen. Die damit einhergehende Konsequenz schätzen sie im ersten Moment sicherlich nicht immer, aber ich weiß, dass ein Erziehungsauftrag auch immer mit Standfestigkeit einher gehen muss. Ich fordere, schaue hin und bleibe unbeirrbar an meinem Platz als Leitplanke stehen.
In den Ferien brauche auch ich einen Kontextwechsel. Für mich als Wissens-nimmersatte und neugierige Geographin ist das Reisen ein Lebenselixier! Ich liebe es, den individuellen Herzschlag von Städten zu erspüren und besondere Momente fotografisch festzuhalten. Aber auch die Ruhe der Natur in den Bergen gibt mir viel. Das große Ganze auch mit räumlichem Abstand zu sehen, hilft mir, Struktur in meine Gedanken zu bringen – was wiederum Raum für neue Ideen schafft. Letztendlich ist doch das gesamte Leben mit dem Erklimmen eines Berges vergleichbar. Schritt für Schritt nähert man sich seinem Ziel, dem Gipfel, von dem aus man zurückblickt und spürt, wie wichtig es war und ist, sich auf den Weg zu machen. Bewegung bringt voran. Das ist auch mein Lebensmotto – nicht stehen bleiben! Derart aufgefüllt kann ich mich dann wieder ganz und gar in die Zeit als Lehrende stürzen. Ich hatte früh den Mut, meine Heimat zu verlassen und habe mir dadurch ermöglicht, wertvolle Erfahrungen zu machen und an ihnen zu wachsen. Genau dazu möchte ich auch andere Menschen ermutigen: „Geht raus aus Euren Komfortzonen. Probiert Euch aus! Mut wird immer belohnt. Es gibt so viel mehr zu erleben.“
Dementsprechend schaue ich mit Vorfreude in die Zukunft.
Im Februar 2026
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