Würde das Internat Solling heute gegründet, würde man es wohl als Elterninitiative bezeichnen. Der Grundstein wurde 1909 dank des Engagements einer Gruppe von Eltern, allen voran Dr. Hermann Schmilinsky aus Hamburg gelegt, der vier Lehrer ermutigte, eine eigene Schule aufzubauen.
Diese Pädagogen hatten zuvor am ersten Deutschen Landerziehungsheim in Ilsenburg unterrichtet, das sich bewusst von autoritären Drill- und Paukmethoden abgrenzte. Nach einem Konflikt mit dem Gründer Hermann Lietz verließen sie die Schule, blieben aber überzeugt vom reformpädagogischen Prinzip der Einheit von Lernen und Leben mit Kopf, Herz und Hand.
Am 11. November 1908 trafen sich die vier Lehrer in Wernigerode zu einem Martinsgansessen und beschlossen, ihr Vorhaben in die Tat umzusetzen – ein Tag, der noch heute am Internat mit einem großen Gänseessen gefeiert wird.
Übergangsweise begann das „Oberharzer Landschulheim Hohegeiß“ in einem Hotel, doch bald wurde Holzminden als endgültiger Standort gewählt. Im Mai 1909 wurde der Grundstein für das Unterhaus gelegt, und im Januar 1910 zogen die ersten Schüler und Lehrer ein. Der Name der neuen Schule: Landschulheim am Solling
Von Beginn an waren die Lehrer und Lehrerinnen gleichzeitig Erzieher, lebten und arbeiteten mit den Schülern und integrierten Sport, Handwerk, Kunst, Musik und Theater in den Alltag. Das hat sich bis heute nicht geändert.
Das Internat wuchs stetig, doch der Erste Weltkrieg brachte Unterbrechungen: Viele Lehrer und Schüler gingen an die Front, das Oberhaus wurde vom Militär beschlagnahmt. Nach dem Krieg übernahm Mitgründer Theophil Lehmann die Leitung und führte das Internat durch die Inflations- und Nachkriegszeit zu neuer Blüte. Ab den 1920er-Jahren wurden auch Mädchen aufgenommen.
Mit der Machtübernahme Hitlers begann eine Zeit der Anpassung. Theophil Lehmann zeigte zunächst Offenheit gegenüber nationalsozialistischen Ideen, musste aber zunehmend um die Unabhängigkeit der Schule kämpfen. Nach Lehmanns Tod 1943 übernahm ein SS-Mann die Leitung bis zum Kriegsende.
Das Oberhaus wurde gleich zu Beginn des Krieges Lazarett. Von Kriegshandlungen und Zerstörungen blieb die Schule jedoch bis zum Schluss verschont.
Im Herbst 1945 nahm ein Kern ehemaliger Mitarbeiter den Schulbetrieb wieder auf. Mit dem Aufschwung der Bundesrepublik ging es auch mit dem Internat rasch wieder aufwärts. Anfang der 1950er Jahre erreichte die Schule mit über 300 Internatsschüler:innen ihre höchste Schülerzahl.
In dieser Zeit entwickelte sich das Landschulheim am Solling zu einem Modell der modernen Oberstufenreform. Die Naturwissenschaften erhielten ein neues, eigenes Gebäude, das sogenannte Institut. Die seit Gründung präsenten „Iberos“ (Schülerinnen und Schüler aus Spanien und Lateinamerika) machten zeitweise fast ein Fünftel der Schülerschaft aus.
In den siebziger Jahren verschwanden dann viele Traditionen. Gleichzeitig führte der bundesweite Ausbau von Bildungsmöglichkeiten zu einem Nachfragerückgang bei Internaten.
1985 wurde das Tannenhaus für die Unterstufe neu gebaut, einige alte Gebäude wurden verkauft. Seit den 1990er Jahren nahm der Reitbetrieb einen stetigen Aufschwung, in den 2000ern wurde die Schule immer internationaler. Ein System von Leistungsstipendien wurde aufgebaut. Ab den 2010ern bekamen die MINT-Fächer immer mehr Profil.
Noch bevor 2013 der Name in „Internat Solling“ geändert wurde, feierten Schüler, Mitarbeiter, Eltern, Altschüler und alle Freunde des Landschulheimes im Juni 2009 ein rauschendes Fest zum 100. Geburtstag.
Archiv:
Martin Wortmann
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