Nistkastenaktionen

Eine Person in einem roten Hemd hält ein Wespennest mit sechseckigen Zellen über dem Gras. Mehrere Personen, die vor allem an ihren verschiedenfarbigen Schuhen zu erkennen sind, stehen in der Nähe. Im Inneren der Zellen des Nestes sind einige dunkle Flecken zu sehen, möglicherweise Wespenreste oder Ablagerungen.

Drei graue Eichhörnchen haben sich in einem hölzernen Nistkasten, umgeben von trockenen Blättern, eng aneinander gekuschelt zusammengerollt und schlafen. Ihre dicken, buschigen Schwänze und ihr weiches Fell sind zu sehen, während die Blätter um sie herum ein gemütliches Lager bilden.

Der Samstag nach dem ersten Heimfahrwochenende der Großen Wanderung dient traditionell der Nistkastenkontrolle und -reinigung.

Die Bewohner haben dann ihre Jungen großgezogen und die Siebenschläfer und Haselmäuse sind noch nicht im Winterschlaf. Neu ist, dass Michele nicht am Start ist. Kurz vorm Abitur verhindert ein Indienaustausch ihre 9. Teilnahme. So bin ich erstmals mit einer komplett neuen Truppe unterwegs. Nach der Versammlung treffen wir uns bei sonnigen 20°C, um unseren gefiederten Mitbewohnern saubere Brutkästen und uns Übersicht über deren Nutzung zu verschaffen.

Bevor es losgeht, gibt es eine kurze Info über die potentiellen Nistkastenbewohner, ihre Nester, das Verhalten beim Vorfinden von Bilchen oder Eiern und sonstige Unfallvermeidung. Mit Spachtel, Kombizange, Fachliteratur und zwei Aluleitern bewaffnet geht es anschließend kreuz und quer über unser Gelände. Abwechselnd übernehmen Joscha, Martin, Oskar, Lennart und Wilhelm die Säuberungsarbeiten und tragen
Werkzeug und Leitern. Ich halte den Lageplan und die Schriftführung in den Händen.

Gemeinsam begutachten wir Nester, Federn, Eier, Skelette und mumifizierte Vogelleichen. Es wird vor der Giftigkeit verbliebener Eier gewarnt. Man lernt, woher der Kleiber seinen Namen hat, dass Meisen dicke Polster aus Moos und Haaren bauen, der Trauerschnäpper trockene Grashalme nutzt, die Stare kleine Äste und großflächige Grashalme lose stapeln und Siebenschläfer Laub in den Nistkasten schleppen. Am Ende wissen außerdem alle, wie man die Aluleiter richtig an den Baum stellt, wie die verschiedenen Nistkastentypen zu öffnen sind und dass es eine sehr staubige Angelegenheit ist, Nistmaterial zu entfernen.

Es ist schön, zu sehen, wie groß das Interesse ist, selbst schauen zu wollen, was sich in den Kästen verbirgt, wie Rücksicht auf die weniger Tollkühnen genommen wird und wie fachmännisch nach einigen Kästen bereits selbständig eine Bewertung des Inhalts vorgenommen wird. Die 15 neuen Kästen, die im Juli 2025 im Rahmen der Projekttage entstanden und auf dem Gelände die bisherigen 21 Kästen ergänzen, erfordern merklich mehr Durchhaltevermögen. Waren wir sonst in zwei Stunden durch, laufen wir jetzt von 13.45 bis 16.45 Uhr übers Gelände. Die Aussicht, auf Siebenschläfer oder Haselmäuse zu treffen, spornt an. Giselot von Rohrs Betonkästen führen uns auf den Friedhof und sind wie immer mit Meisen besetzt. Aus Interesse nutzen wir den Aufenthalt, um die Inschriften der Grabsteine zu lesen, Gründerfamilien zu finden, an Michael Holzach und Kalle Ehlert zu denken.

Aus Jan Pszarskis Nistkasten von 2004 hat sich der Siebenschläfer vom letzten Jahr verzogen und Meisen Platz gemacht. Dasselbe gilt für die Fledermaus im Betonkasten der Apfelbaumreihe hinter der Wäscherei. Stattdessen rieselt aus einem benachbarten hohlen alten Apfelbaum am Stamm Fledermauskot in Mengen hinaus.

Unterhalb des Oberhaustennisplatzes ist es dann so weit: Wilhelm stößt beim Öffnen auf Laub. Ein sicheres Zeichen für Bilche. Mit dem Handy kann er drei zusammengekuschelte Siebenschläfer ablichten, bevor wir den Kasten vorsichtig wieder verschließen. Die Freude über die Bilder lassen uns weitermachen. In 150m Entfernung kann Lennart den nächsten ablichten.

Insgesamt sind leider nur 13 Nistkästen von Meisen bewohnt gewesen, teilweise allerdings mit Doppelbruten. Wir finden auch Eier und viele mumifizierte Meisenleichen vor. Mögliche Ursachen werden diskutiert. Kleiber, Trauerschnäpper und Stare fehlen erneut. Zwei Kästen bewohnten die Bilche. Die Hälfte der 30 „Vollkästen“ waren leer. Hornissen haben in einem der Obstbaumkästen den Nestbau abgebrochen. Martin freut sich über das kleine Raumnutzungswunder der Natur.

Von den vier kontrollierten Halbhöhlenkästen ist keiner besetzt gewesen. An der Gartenremise finden wir aber erneut zwei Amselnester unterm Dach. Der alte Holzbetonkasten Marke Eigenbau aus meiner Schulzeit beinhaltet nach langer Zeit mal wieder ein Meisennest. Im Saum des Gartens stoßen wir auf einen unbekannten Nistkasten, der baugleich zum Kasten an der alten Fahrradwerkstatt ist, aber nicht von uns angebracht wurde. Leider schaffen wir es nicht, ihn zu öffnen, obwohl uns der Mechanismus bekannt ist.

Den Turmfalkenkasten am Oberhausturm reinigen wir nicht. Er ist aber auch in diesem Jahr wieder erfolgreich besetzt gewesen.

Der Halbhöhlenkasten auf der mit Pferden besetzten UH-Weide und der in der Fensternische neben der Tür zum Fundus müssen später noch kontrolliert werden.

 

Text + Fotos: Angela Stelzer

 


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