Isabel Christensen aka „Friesen-Riesen“

Isabel Christensen, eine Frau mit Brille und braunem Haar in einem marineblauen Pullover, verwendet einen Stift auf einem großen digitalen Zeichentablett, um eine detaillierte anatomische Illustration zu erstellen. Im Hintergrund sind Kunstzubehör und Regale mit verschiedenen Gegenständen zu sehen.

Ich bin neugierig. Irrsinnig wahnsinnig neugierig, ich will unbedingt wissen, warum was wie ist!

Dadurch kann ich einen enormen Hyperfocus auf eine einzige Sache entwickeln. Bis ich es durchdrungen habe, bin ich 100%ig an dem jeweiligen Thema dran. Ob ich das dadurch erlangte Wissen oder Können dann weiterhin brauche, ist manches Mal zweitrangig. Im Vordergrund steht für mich das Durchdringen der Materie! Dann fällt es mir leicht, einen „verinnerlicht-Haken“ zu setzen und mich auf das nächste Thema zu stürzen. Es gibt ja so unendlich viel zu lernen und zu entdecken!

Letztendlich war es unser Kunstlehrer am LSH, Herr Sendler, der mich darin bestärkt hat, einen künstlerischen Beruf zu ergreifen. Ich bin anatomisch – medizinische Illustratorin, eine Tätigkeit, für die ich seit rund 30 Jahren nach wie vor lichterloh brenne. Ich war die erste Person in Deutschland, die in diesem Bereich gearbeitet hat. Was es ungleich schwerer gemacht hat, mich zu etablieren. Ich musste tatsächlich Klinken putzen und mich beharrlich als Fachfrau meines Faches unter Beweis stellen. Beharrlich kann ich!

Diese Fähigkeit hat mir auch den nicht so ganz einfachen Weg zum Studium erleichtert. In Europa gab es zum damaligen Zeitpunkt ausschließlich in Bologna die Möglichkeit, medizinische Illustration zu studieren. Somit zog ich im Anschluss an mein Vollstudium an der Merz Akademie Stuttgart, wo ich mein Diplom zum Kommunikationsdesigner erworben habe, nach Italien. Durch einen glücklichen Zufall fand ich eine Wohnung in Bologna und kämpfte zunächst im ersten Semester mit meinen bis dato nicht vorhandenen Italienischkenntnissen (geschweige denn, einem medizinischen Fachwörter -Sprachschatz). Mit derselben Energie, mit der ich nach einem kleinen Kreislaufaussetzer während der ersten OP, bei der ich zugegen war (zum einen war die erste Etappe des Studiums das Physikum; zum anderen besteht ein erheblicher Teil meiner Tätigkeit darin, „Gebrauchsanweisungen“ für OP-Techniken zu zeichnen) zurück in den OP gegangen bin, habe ich auch das Studium abgeschlossen. Volle Kraft voraus, mit summa cum laude! Als einzige Studentin aus dem Ausland, wohlgemerkt. Zusätzlicher Anreiz war mir, dass Bologna damals Studierenden, die innerhalb der Regelzeit ihren Abschluss machten, die Studiengebühren zurückerstattet hat. Es war mir eine große Freude, den (stolze 10 Jahre später) eintreffenden Scheck an meinen Vater weiterzureichen.

Wie ich auf diesen Beruf gestoßen bin? Während eines Praktikums in New York, das ich während meines Kommunikationsdesign- Studiums absolviert habe. Eine Artdirectorin, die mein Talent erkannt und mich protegiert hat, nahm mich eines Abends mit zu einer Ausstellungseröffnung. Wie nicht allzu schwer zu erraten, fand ich mich in dieser Ausstellung vor medizinischen Illustrationen und schlussendlich in einem Schlüsselmoment wieder – fasziniert von der Kombination von Kunst und Medizin. Genau das wollte ich auch können!
Wie unzählige Publikationen sowohl in der Fachpresse, in Nachschlagewerken für Ärzte, wie auch der 1. Preis für die beste wissenschaftliche Illustration 2015 in Bristol und 2020 der German Design Award für meine Marke „Medical Art& More“ anschaulich demonstrieren, ist mir dies gelungen! Ja, eine eigene Marke. Neben meiner Selbstständigkeit als anatomisch- medizinische Illustratorin betreibe ich auch zwei Webshops. Einen, in dem es von Geschirr mit Organ-Illustrationen (manchmal geht halt auch Wissen durch den Magen), einer Gehirn-Kerze für zündende Ideen bis hin zu einem Memory zwecks spielerischen Lernens der Organe vieles gibt, das so manch einem ernsten Thema einen humorvollen Hauch verleiht. Mein zweites, noch recht frisches Standbein „natureillustrated“, das botanische Illustrieren, ist meiner Liebe zur Natur erwachsen und bereitet mir eine unbändige Freude. Während gefühlt 100 Leute an mir vorbeistapfen, halte ich im Englischen Garten inne und beobachte freudig zeitvergessend einen Kauz. Durchdringt Licht ein Blatt auf besondere Weise, so versuche ich, diesen Moment künstlerisch einzufangen. Das ist eines meiner großen Glücks – dass ich Dinge, die mich faszinieren, die ich als schön empfinde, zeichnerisch einfangen kann.
Das allergrößte Glück aber ist für mich, Mutter meiner wunderbaren Amelie zu sein. Wir zwei sind ein sehr gutes Team und durch das Erleben ihres Stolzes auf mich und meine Tätigkeit, habe auch ich gelernt wahrzunehmen, was ich so alles geschafft habe – und weiterhin schaffe.

Neben dem Renovieren eines Zweitwohnsitzes in Apulien, wo ich die offen, zugewandten Menschen ebenso schätze wie die wunderbare Natur, fuchse ich mich derzeit kontinuierlich mehr in das botanische Zeichnen ein. Da gibt es in England die Möglichkeit, botanische Illustration zu studieren…Dank des Internets ist ja mittlerweile so viel mehr möglich. Gut für eine Person wie mich, die noch so viel möchte. Wobei ich bitte nicht falsch zu lesen bin – ich empfinde mich null Komma null als „getrieben“. Vielmehr als Vielinteressierte, die aus dem Rückhalt einer tiefen Zufriedenheit mit ihrem Leben heraus Ausschau hält, was sich da noch einfügen darf in mein ganz persönliches Portfolio.

Im September 2025


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Isabel Christensen, bekannt als Friesen-Riesin, steht lächelnd vor einem alten, cremefarbenen Gebäude mit grüner Doppeltür, verwittertem Ziegeldach und der Hausnummer "38" darüber. Sie trägt eine Brille, eine hellblaue Bluse, graue Jeans und weiße Turnschuhe.

Isabel Christensen, die eine Brille trägt, sitzt an einem weißen Tisch und zeichnet oder malt auf Papier. Vor ihr liegen in einem hellen, minimalistischen Raum Malutensilien wie Farben, eine Palette, getrocknete Blätter und ein Becher.

Eine rechteckige "Medical Art & More Memo"-Spielschachtel ist geöffnet und zeigt Karten mit detaillierten medizinischen Illustrationen von Isabel Christensen. Die farbenfrohen anatomischen Karten sind auf einer weißen Fläche rund um die Schachtel verstreut.

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